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Florian Kohler erläuert im Gespräch, was ihn zum Rücktritt bewogen hat und was er vermissen wird.


16/11/2018

Florian Kohler erläuert im Gespräch, was ihn zum Rücktritt bewogen hat und was er vermissen wird.

Florian Kohler, Sie haben sich entschieden Swiss Ice Hockey zu verlassen. Warum? 
Dieser Entschluss ist seit dem Sommer gereift und ich bin der Überzeugung, dass es nach sechs Jahren die Zeit für eine neue Herausforderung gekommen ist. Es ist ein guter Moment dafür,ich darf die Operative einer gut funktionierenden Sportorganisation übergeben, die grossen Sponsoring-Verträge sind verlängert und die Geschäftsstelle ist dank unserer tollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und der gut besetzten Geschäftsleitung bestens aufgestellt. Ich bin stolz, dass wir mit Swiss Ice Hockey so viel erreichen konnten.

Sie sprechen die WM-Silbermedaille an?
Nicht nur. Natürlich sind die beiden Silbermedaillen für Swiss Ice Hockey sehr wertvoll und auch für die Hockey-Community zentral. Für mich sind aber auch andere Punkte wichtig: Wir haben einen Fusionsprozess erfolgreich abgeschlossen, wir haben die Sportabteilung umgebaut und nachhaltig neu aufgestellt. Wir haben TV-Verträge ausgehandelt, die alle Erwartungen übertroffen haben. Und - das ist mir fast das wichtigste - es ist uns in den letzten Jahren gelungen stabil gute Jahresabschlüsse hinzulegen. Ich kann mit gutem Gewissen gehen. 

Was spielt der Präsidentenwechsel bei Ihrem Abgang für eine Rolle? Michael Rindlisbacher hat von Marc Furrer übernommen und hat dem Vernehmen nach einen anderen Führungsstil.
Der spielte definitiv keine Rolle. Ich habe mit Marc und mit Michael sehr gerne zusammengearbeitet. 

Welches Sind denn Ihre Beweggründe?
Ich stehe jetzt in meiner sechsten Saison. Ich bin schon länger im Amt als meine drei Vorgänger zusammen. Und wir haben sehr viel erreicht, in jeder Hinsicht – teilweise gar über den Erwartungen. Und Swiss Ice Hockey kann heute einen Wechsel auf der CEO Position verkraften.

Vor Ihnen hat es kein CEO länger als ein Jahr im Amt ausgehalten. Was macht diesen Job so schwierig? 
Ich habe den Job stets gerne gemacht und es war mir beim Amtsantritt bewusst, wo die Herausforderungen liegen. Man hat es mit vielen unterschiedlichen Interessengruppen zu tun, die verschiedene Meinungen haben. Es benötigt viel diplomatisches Geschick. Das ist nicht immer einfach.

Hatten Sie einfach genug vom Eishockey?
Von wegen. Ich habe bis heute eine große Leidenschaft für meinen Job und für die Menschen, mit denen ich arbeite. Auch darum ist es gut, jetzt zu gehen. Wäre ich genervt und abgelöscht, hätte ich den richtigen Zeitpunkt verpasst. Zudem bleibe ich dem Eishockey als Präsident des WM-OK 2020 noch auf Weiteres erhalten. (Der Entscheid formell noch vom VR abgesegnet werden.) 

Was werden Sie in Zukunft machen? 
Ich habe spannende Angebote in unterschiedlichen Bereichen, die ich mir gerne genauer anschauen möchte. Aber das hat Zeit. Zuerst ist es mir ein Anliegen, die operativen Geschäfte einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger sauber zu übergeben.

Was werden Sie vermissen? 
Oh. Sehr vieles. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle, mein Team und die vielen tollen Sportevents, an denen ich teilnehmen durfte. Es war mir stets bewusst, dass dies ein Privileg ist. Die dazugehörige Anspannung während der Spiele werde ich weniger vermissen. Das war teilweise extrem. (lacht)